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Weltmeisterin Ramona Kühne möchte ihren nächsten WM-Kampf gern in Potsdam austragen

POTSDAM - Von dem knapp drei Zentimeter großen Cut über der linken Augenbraue ist fast nichts mehr zu sehen. Am Montag wurden die Fäden gezogen. Doch der Stachel der Enttäuschung sitzt bei Ramona Kühne auch zehn Tage nach dem spektakulären Kampf noch immer tief. Die Herausforderin aus dem Schönefelder Ortsteil Großziethen hatte gegen die Federgewichts-Weltmeisterin Ina Menzer (Mönchengladbach) auf Grund des Abbruchs in der sechsten Runde wegen der Verletzung durch technischen K.o. verloren. Es war die erste Niederlage im 16. Profikampf in vier Jahren.


„Sportlich ist das Duell damit nicht entschieden“, wirft Stephan Böstfleisch, der Trainer und Lebenspartner von Ramona Kühne, den Fehdehandschuh sogleich wieder in den Ring. Die Manager der Boxställe Universum Hamburg für Menzer und SES Magdeburg von Promoter Ulf Steinforth für Kühne haben bereits Kontakt aufgenommen. Denn 4,3 Millionen TV-Zuschauer im ZDF wurden Augenzeuge dieses „Blutkampfes“ (Bild). „In punkto Popularität war es aber ein großer Gewinn für uns“, gibt Böstfleisch zu und die Gage war auch höher als sonst. Aber Menzer, die ebenso sichtlich gezeichnet war, wird wohl nicht sofort die Chance zum Re-Match einräumen.


Denn der „Drache“, so Ramona Kühnes Kampfname, will weiter Schrecken im Ring verbreiten. „Gern würde ich demnächst mal in Potsdam vor größerer Kulisse antreten“, erklärt die Superfedergewichts-Weltmeisterin des Verbandes WIBF. Darüber wird sie demnächst mit Ministerpräsident Matthias Platzeck sprechen, der bei ihr bereits in der ersten Reihe am Ring die Daumen drückte.


Die Weltmeisterin führt ihren Trophäen-Gürtel beim MAZ-Besuch wohlbehalten in einem schmalen, rechteckigen Alu-Koffer mit sich. Bei James Bond treten mit derartigen Utensilien die Scharfschützen auf. Ramona Kühnes stärkste Waffen sind die Fäuste, deshalb steht sie vor der Leinwand als ehemalige Kickboxerin eher auf Jackie Chan. Im Boxen eifert sie der früheren Weltmeisterin Regina Halmich nach, die ihr nach dem jüngsten Auftritt eine aufmunternde SMS schickte: „Ein Superkampf.“


Die Box-Queen aus Karlsruhe hatte einst im Maske-Sog die Kritiker des Frauen-Boxens eines Besseren belehrt. Ramona Kühne passt in diese Fußstapfen, obwohl sie vor Jahren von Halmich-Trainer Torsten Schmitz abgewiesen wurde. Die bald 30-Jährige hat bei Böstfleisch viel gelernt. Er sagt: „Sie ist eine Zermürberin.“ Vor allem mit der linken Führhand punktet sie die Gegnerinnen nieder.


„Vier, fünf Jahre will ich noch boxen“, erklärt sie. „Dann eine Familie gründen.“ Noch wartet sie „auf den richtigen Heiratsantrag“ von Böstfleisch, aber das Paar harmoniert auch ohne Trauring am Ring und daheim ganz privat. „Wobei das nicht immer so zu trennen ist“, räumt der 42-jährige Hauptkommissar bei der Berliner Polizei ein. Sie hat einen Job als Bademeisterin in Mariendorf. Dank schneller erster Hilfe rettete sie am Morgen vor dem Menzer-Kampf einer Rentnerin (76), die auf der Straße bewusstlos zusammengebrochen war, das Leben.


Ramona Kühne lebt für ihren Sport asketisch. Das geliebte Motorrad hat sie wegen der Unfallgefahr verkauft. Für das Federgewichts-Duell musste sie sich um 1,8 auf 57,1 Kilogramm „runterhungern“. Vier Wochen vor jedem Kampf verzichtet sie ohnehin auf Schokolade oder Kuchen. „Wer zufrieden ist, wird träge. Die Entbehrung macht sie angriffslustiger“, sagt der Trainer seiner Liebsten unerbittlich und hält notfalls schon mal den Kühlschrank zu.

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